Fundsachen
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Nördliche Morgenröte

Vielen von uns wird es so gehen, wie den Astronomen Edmond Halley, der in seinem Leben niemals Polarlichter gesehen hat. Dazu soll er im Jahr 1716 einmal gesagt haben: „… ich würde mein Leben geben, um einmal ein Polarlicht zu sehen und glaube nun sterben zu müssen, ohne es gesehen zu haben…“. Dabei ist alles nur Physik. Sonnenwinde aus Elektronen und Wasserstoffteilchen treffen auf den natürlichen Schutzmantel der Erde, stoßen dort mit Atomen der Atmosphäre zusammen. Durch die hohe Energie werden Elektronen von Sauerstoff- und Stickstoffmolekülen auf weiter außen liegende Bahnen um den Atomkern katapultiert. Fallen Sie wieder auf ihre ursprüngliche Bahn zurück, geben sie dabei Lichtphotonen ab und Polarlichter entstehen. Diese farbigen Himmelserscheinungen faszinieren und wie bei einer Sonnenfinsternis ranken sich zahlreiche Mythen um dieses Ereignis. Die Wikinger hielten das Licht für die Spiegelung des Mondes auf den schimmernden Rüstungen der Walküren, die über den Himmel ritten. Bei den Inuit fand sich die Auffassung, die Lichter seien eine Brücke ins Jenseits, die von Fackeln der Toten beleuchtet wird, um frisch Gestorbenen Orientierung zu bieten. Besonders im europäischen Mittelalter waren die Nordlichter Vorboten für Kriege, Pest, Hunger, Elend und der bevorstehenden Apokalypse.

Wir modernen Menschen sind aufgeklärt, und der Untergang der Erde nach einer Polarlichtsichtung wurde aufgeschoben. Doch schauen wir in den glühenden Nachthimmel hinauf, liegen Glaube, Hoffnung, Wunsch und Sehnsucht dicht beieinander, obwohl es sich doch nur um Physik handelt.

Bilder: Polarlichter in Tromsø, Norwegen. ©Horváth 2018.

 

 

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