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Die Welt aus Wachs

Schauen Sie in einen Spiegel und bewegen sie sich nicht. Nach wenigen Minuten des Starrens beginnen Sie zu fremdeln und Sie fragen sich, ob dieses Gegenüber wirklich Sie selber sind. Fast so wie bei einer Puppe aus dem Wachsfigurenkabinett.

Vor genau 140 Jahren eröffnete die „Wunderkammer, voll von Träumen, Sehnsüchten und Ängsten“- Das Panoptikum auf dem Hamburger Spielbudenplatz.

In den Räumen konnten die Besucher den Zaren und Königen gegenüberstehen, den Mördern gefahrlos in die Augen schauen oder einfach nur mit Albert Einstein über seine Relativitätstheorie sinnieren. Nicht umsonst hieß das Motto: „Menschen, lebenswarm, doch stumm – das ist das Panoptikum.“ Schon früh waren die Betreiber auf dem neusten Stand der Technik: Bereits 1890 sorgte die auf einem Kohleblock sitzende Allegorie „Elektra“ für Aufsehen. Als Repräsentantin der Elektrizität hielt sie in der einen Hand eine Glühlampe und in der anderen einen Lorbeerkranz. Das Besondere: Sie leuchtete und konnte sich bewegen. Bereits 1891 schmückten 60 Glühlichter einen Weihnachtsbaum und ab dem Jahr 1892 produzierte das Panoptikum sogar seinen eigenen Strom. Ein 12-PS-Gasmotor mit Dynamo lieferte genügend Energie, um die neue Lichtanlage mit Strom zu versorgen. Die Fortschritte in Wissenschaft und Technik begeisterten den Betreiber Friedrich Faerber so sehr, dass im Panoptikum Vorführungen mit den jüngst entdeckten „X-Strahlen“ angeboten wurde. Übrigens auch der „elektrische Zukunftswagen“ bekam einen Platz im Panoptikum und so ist es nicht verwunderlich, dass der Automobilist Faerber als erste Hamburger ein Auto des Typs Patent-Motorwagen der Firma Benz & Co erwarb.

Das Hamburger Panoptikum überlebte Weltkriege, Zerstörungen, Wirtschaftskrisen und das Aufkommen von Kino und Fernsehen und heute, hoch über dem Eingang, schaut der goldene „Mephisto“ auf die Besucher der „Welt aus Wachs“.

Bild 1: Eingangsbereich bei Nacht. ©Panoptikum
Bild 2: Ende des 19.Jh. warb das Panoptikum mit der Vorführung von geheimnisvollen X-Strahlen. Anzeige aus dem Hamburger Fremdenblatt, 1896. ©Panoptikum
Bild 3 und 4: In der Ausstellung: Albert Einstein (1879-1955) und Konrad Adenauer (1949-1963). Der Wissenschaftler Albert Einstein entwickelte die Relativitätstheorie und besaß auch das Patent für einen Kühlschrank. Konrad Adenauer, erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland entwickelte die „von innen beleuchtete Stopfkugel“. Niemann 2019.

Veröffentlichung der Abbildungen auf dieser Seite mit freundlicher Genehmigung des Panoptikums.

 

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