Fundsachen
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König der Reklame

Wir bleiben stehen, laufen langsam im Kreis und strecken unsere Köpfe nach oben.

Zeit spielt dabei keine Rolle, denn es ist die Information, die uns aufhält. Gedruckt auf einem großen Blatt Papier, das nur durch Tapetenkleister gehalten wird, hängen Plakate an einer Rotunde, um unsere Aufmerksamkeit zu erregen.

Wahrscheinlich stört es Sie, wenn Plakate für Aufführungen, politische Pamphlete oder Werbebotschaften überall in der Stadt an Hauswänden und Mauern hängen. Das kennen Sie vielleicht noch aus dem Schanzenviertel in Hamburg oder aus Berlin Kreuzberg, wo das zur Stadtteilkultur gehört, aber schön ist das nicht. Genau daran muss sich der Drucker Ernst Theodor Amandus Litfaß gestört haben, als er durch die Berliner Straßen lief.

Am 5. Dezember 1854 erhielt er die Konzession zur „Errichtung einer Anzahl von Anschlagsäulen auf fiskalischem Straßenterrain zwecks unentgeltlicher Aufnahme der Plakate öffentlicher Behörden und gewerbsmäßiger Veröffentlichungen von Privatanzeigen“.

Die „Annoncier-Säule“ setzte sich durch. Litfaß erkannte das kommende Geschäft der Reklame und sicherte sich das alleinige Recht zur Plakatierung für Berlin. „Der König der Reklame“ starb 1874 als wohlhabender Mann. Die Litfaßsäule fällt heute unter den Begriff der „Außenwerbung“, dreht sich elektrisch im Kreis oder lockt unseren Blick als digitale Projektion. Litfaß Idee, Menschen im Vorbeigehen einen Blick auf die Säule zu entlocken, ist nach 165 Jahren aktuell geblieben.

Bilder: Berlins erste Litfaßsäule, Lithographie um 1855. Künstler F.G. Nordmann. Das „Klebemedium“, wie die Litfaßsäule im Branchenjargon heißt, fiel in die Zeit des aufkommenden Massenkonsum. Nach wie vor gehört dieses Satdtmöbel in Hamburg zum gewohnten Bild. Fotos: Niemann 2019.

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